Review: Game of Thrones – The Red Woman (S06E01)

Game of Thrones ist wieder da! Am 25.04. erschien die erste Folge der 6. Staffel auf Sky Deutschland – passend dazu werde ich mich für jede Folge hinsetzen und meinen Senf dazu geben.

 

Disclaimer: Dieses Review enthält Spoiler zur aktuellen Folge (The Red Woman, S06E01) und natürlich auch zu allen vorangehenden Episoden! Wenn du diese Folge also noch nicht gesehen hast und noch sehen willst, mach das hier am besten wieder zu.

 

Da die Erstausstrahlung des Staffeleinstieges nun doch schon drei Tage her ist und der Inhalt vielleicht nicht mehr zu 100% sitzt, habe ich mir gedacht, dass ich das ganze als eine Art Gedankenprotokoll aufziehe. Nach dem ersten Gucken habe ich mir bereits einige Notizen gemacht, die dann bei einem zweiten Durchgang in die richtige Reihenfolge gepackt und ein wenig geordnet wurden.
In dieser Form werden höchstwahrscheinlich auch die anderen Episoden-Reviews der sechsten Staffel erscheinen.

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The Wall

Geile Kamerafahrt direkt am Anfang zu Jons Leiche. Zusammen mit dem Heulen von Ghost, der Dunkelheit und den gelben Lichtern am Horizont entsteht echt ne gute Atmosphäre. Schöner Anfang.
Ah, da ist auch schon Olly. Fuck Olly.
Nach der Erklärung von Thorne ist die Night’s Watch einverstanden? Echt? Allesamt? Hatten wir nicht genau diese Diskussion (Wildlings: ja/nein?) letzte Staffel ewig durchgekaut und jetzt sind sich alle plötzlich einig, weil ein Fraktionsführer tot ist? Das rechtfertigt Verrat? Da hat es sich jemand sehr einfach gemacht.

 

Winterfell

Ramsay „trauert“. Schön, welch tierlieber Mensch er ist. Nette Szene.
Ah, und dann bekommt er vielleicht einen Stiefbruder! Das ist ja nett! Lady Walda wird sich bestimmt auch bald freuen. Sehr bald.

 

Irgendwo zwischen den Set-Resten von Into the Wild & The Revenant

Die beiden Parcours-Weltmeister Theon und Sansa haben den Sprung relativ unbeschadet überstanden (Surprise!!) und laufen jetzt durch ein Winterwunderland. Der Landschafts-Shot weiß zu gefallen.. Nach der Auslaufsession gehts dann zu Per Mertesacker in die Eistonne. Boltons Männer sind da. Die Hunde hatte ich furchterregender in Erinnerung, sind wohl nur Bluthunde zum Aufspüren. Natürlich wird Sansa entdeckt.

But wait! Deus-Ex-Machina-Brienne saves the day. Die Hunde verschwinden und werden sicher eines Tages auf Gendrys Ruderboot zusammen mit allen anderen Plotholes und fallengelassenen Handlungssträngen wieder auftauchen. Nach einem erschreckend unspannenden Kampf stellt sich Brienne ein weiteres Mal unter Eid. Das ist jetzt Nummer 5, oder? Hier ist allerdings Potential für einen coolen Storystrang da.

 

King’s Landing

Jaime kommt aus Dorne zurück und hat Geschenke dabei. Cersey glücklich. Leider ist darunter die nicht mehr ganz so lebendige Myrcella. Cersei traurig. Schön gespielt von Lena Heady, die Einstellung auf ihr Gesicht war super, insbesondere der Moment, an dem sie den Tod Myrcellas realisiert, ist ausdrucksstark dargestellt. Wo Bronn sich rumtreibt interessiert anscheinend kein Schwein. Wohl auf der Suche nach „bad pussy“.

Irrelevanter Dialog folgt, in dem noch einmal die Prophezeiung aus dem letztjährigen Piloten erwähnt wurde. Vielleicht hats ja jemand vergessen, um sich die unheimlich ausdrucksstarken Dorne-Dialoge merken zu können.
„Fuck Prophecies. Fuck Fate. Fuck everyone who isn’t us.“ – Fuck Cersei again? Hat ja beim letzten Mal auch als Trauerbewältigung funktioniert.

Schnitt. Kerker. Margaery. Hat die Make-Up dran oder ist die selbst dreckverschmiert in abgeranzten Lumpen noch lächerlich hübsch?
Nochmal Religionsgelaber vom High Sparrow – sollte das Thema nicht mit dem Walk of Shame durch sein? Da sehe ich den Sinn noch nicht so ganz, aber vielleicht wird das ja irgendwann nochmal relevant.

 

Dorne (leicht optimistisch)

So, jetzt also nach Dorne. Schlimmer als letzte Staffel kanns ja nicht werden, oder?
[Ha. Ha. Hahaha…]
Positiv denken: Die Sets und Kostüme in Dorne sehen immer phänomenal aus. Ich mag Doran. Ich mag Areo Hotah. Bitte die gesamte Screentime von den Sand-Snakes in die beiden Stecken. Außerdem hat Aero ja noch fast gar nichts von sich gezeigt.

Oh. Schade. Ich glaube, das habe ich gejinxed. Seltsam, dass dieser meisterhafte Krieger, einer Person, die noch Tage zuvor im Gefängnis war und von der eine potentielle Gefahr ausgeht, den Rücken zuwendet. Seltsam, dass eine 5cm-Klinge einen Zweimeter-Hünen innerhalb einer Sekunde dahinrafft. War wohl ziemlich gutes, nervenlähmendes Gift, das natürlich nicht für den viel wichtigeren Doran verwendet wurde. Denn dieser überlebt natürlich noch einige Sekunden – gerade so lange, um sich als letzte Pein noch einem grauenhaften Monolog von Ellaria ausgesetzt zu erleben.

 

Schiff (Wo? Wie? Was? HÄ?)

Nein.

 

Meereen

Wäre ich Raucher hätte ich nach der Schiffsszene erstmal eine Zigarette anstecken müssen, um auf dieses enorme Plothole und den desolaten One-Liner der Speer-Frau mit dem bösen Blick klar zu kommen.

So gings aber unverzüglich weiter mit Tyrion und Varys in Mereen. Ah, Varys hat keinen Penis. Hätte ich schon fast wieder vergessen. Danke für die Erinnerung. Wird ja auch so selten in Varys-Dialoge eingebaut.
Jemand beobachtet die beiden und dann brennt der Hafen. Ok.
„Well, we won’t be sailing to Westeros anytime soon“. JUCHU, noch mehr Meereen! Darauf haben die Fans gewartet.

 

Steppe – irgendwo in Essos

Zwei Nebenbuhler auf der Suche nach der wahren Liebe. Erinnert mich ein bisschen an die Duplo-Werbung.

 

Dothraki-Herde

Dothraki-Trashtalk hat noch keinem geschadet. Außerdem klingt die Sprache super. Interessante Herdengröße, das ist ja doch schon einiges. Hatte Khal Drogo bis zu seinem Tod nicht den bis dato größten Khalasar?
Ober-Khal will Daenerys vergewaltigen, das geht aber natürlich nicht so einfach. Wir sind hier ja nicht mehr in Staffel 1. Jetzt müsste da erst noch einmal das magnetische Bettuch aus dem Requisiten-Schrank ausgekramt werden. Und Sex und Vergewaltigungen bei Game of Thrones off-screen behandeln? Pah, wo kämen wir denn dann hin?!
Also darf Daenerys brav wieder einmal ihre fünfzig Titel und Familiennamen aufsagen, um Sendezeit zu füllen. Im Dothraki-Witwenhaus wird sie dann noch mehr Zeit dazu haben.

 

Braavos

Der End-Shot mit dem Titan im Hintergrund war geil. Ansonsten: Arya ist auch noch da und immer noch blind.

 

Wall – Teil 2

Endlich zurück. Thorne propagiert Frieden, hat aber nicht mit Intelligenz gerechnet. Davos ist ein cooler Dude und möchte Verpflegung. Das hat Thorne nicht einkalkuliert und fliegt auf. Zur Abwechslung mal schön geschrieben und nicht nur Davos, sondern auch die Schreiber zeigen sich intelligent.
It’s a sad fucking statement if Dolorous Edd is our only chance.“ Ich schmunzelte.
Dann: Melisandre. Gibts jetzt Titten? Erst nach 45 Minuten?

(.Y.) -> |.Y.|

Oh. Thats not what I’ve signed up for!
Interessantes Ende. Wodurch äußere Veränderung? Halsband, Trank, Zauber? Hat Melisandre jetzt aufgegeben? Es darf spekuliert werden.

 

Fazit

Puh, sehr vollgepackt die erste Folge. Vier bis fünf Minuten mehr Laufzeit oder ein, zwei Schauplätze weniger hätten definitiv gut getan.
Dorne wie immer katastrophal und glänzt ab jetzt mit einer kompletten Absenz guter Figuren. Braavos und Mereen eher irrelevant, da wirds wohl diese Staffel wenig Bewegung geben. Die Szenen im Norden an der Wall und in Winterfell waren zufriedenstellend bis erfreulich. Mit Abstrichen sogar die Szene mit Deus-Ex-Machina-Brienne, da man hierbei ja noch mit der Kerze, die Sansa während des Staffel 5-Finales im Winterfell-Turm platziert hat, argumentieren kann.
Passend dazu bin ich hier bei meinem folgenübergreifenden Hauptkritikpunkt angelangt, der sich meiner Meinung nach seit ca. dem Ende von Staffel 4 eingeschlichen hat: Das Writing.

Leider sieht es wohl nicht nach baldiger Besserung aus. Szenen wie Deus-Ex-Machina-Brienne, die einen eigentlich emotional mitnehmen sollten, werden nicht oder nur unzureichend vorbereitet. Für Problemlösungen wird immer der einfachste Weg gewählt: Man erinnere sich an die 20 Bolton-Männer, die Stannis‘ Camp aufgemischt haben oder Ramsay, der als Superkrieger den Dreadfort-Assault vereitelt. Innerhalb dieser Folge kann die Ansprache Thornes genannt werden, der innerhalb einer Minute die gesamte Nightswatch von der Legitimität seines Verrates überzeugt hat.

Wo in Staffel 1-3 Intrigen, Pläne, Beziehungen und Hierarchien noch durch subtile Mimik, Gestik und Blicke visualisiert wurden, wirds heute einfach in einen Dialog gepackt.
Noch ein Beispiel aus dieser Folge: Arya nimmt das Stimmenwirrwarr in Braavos wahr, was technisch wunderbar umgesetzt wurde. Dialoge, Stimmen und Lautstärken überlappen sich und verschmelzen zu einem undefinierbaren Brocken aus auditiven Einflüssen. Man sieht die blinde und bemühte Arya, hört das Stimmenwirrwarr und kann sich seinen Teil denken: sie versucht sich aufgrund ihres Trainings zunehmend auf ihr Gehör zu verlassen, unterschiedliche Personen und deren Stimmen auszumachen und Eigenheiten in den verbalen Signalen auszumachen. Zugegebenermaßen keine komplexe Interpretation, aber scheinbar wird auch dies dem Zuschauer nicht zugetraut. Sekunden später stapft das andere Mädchen der Faceless Men heran und fasst das – den Sehgehwohnheiten der Masse entgegenkommend – noch einmal zusammen: „Are you listening, blind girl? Do you hear them talking? Do any of them talk to you?“.

Das klingt jetzt sehr nach „Früher war alles besser!!1!“ – aber in meinen Augen wird das, spätestens seit Staffel 5, recht deutlich.
Woran kann das liegen? Klingt es zu Hipster, wenn man das auf die wachsende Popularität der Serie zurückführt? Muss die Serie immer mehr an das große Publikum angepasst werden? Oder gibt die Storyline aktuell wenig dieser subtileren Momente her? Nicht zu vergessen, dass man sich ja immer noch grob an die Buchvorlagen halten sollte.

Tl;dr: Die Folge war meines Erachtens nach recht durchwachsen. Da es allerdings ein paar interessante Plots (Wall, Winterfell, Sansa+Brienne) zu geben scheint und es eine Pilotfolge war, kann ich darüber hinwegsehen. Es bleibt allerdings nur zu hoffen, dass man sich drehbuchtechnisch mehr an den ersten Staffeln orientiert hat, um Höhepunkte auch wirklich zu emotionalen Höhepunkte zu machen. Ansonsten fühlt sich eine Deus-Ex-Machina-Brienne irgendwie nicht verdient an.

 

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